Gastbeitrag: Chronischer Mensch.

Diese Woche begegnete mir in einem dezentralen Kurznachrichtendienst ein Rant (für die mich stalkenden Personen: das ist Internetsprache für „Schimpftirade“, „Klartext reden“ und manchmal auch einen wortreichen Wutausbruch). Dieser Rant stammte von „Anja“ und befasste sich mit chronischen Beschwerden, ÄrztInnen, die ihre PatientInnen nicht ernst nehmen und Menschen, die daran verzweifeln. Und Anja schrieb mir aus der Seele, deshalb bat ich sie, ihre Postingkette als Blogpost hier veröffentlichen zu dürfen – und ich darf!

Danke schön, Anja!

Bitteschön, LeserInnen:

CN: Ärzte, Schmerzen, Gaslighting, Verzweiflung

Wisst ihr was mich noch wütender macht als Ärzte, die mir ins Gesicht sagten, dass ich eine Last sei und mir das alles nur einbilden würde?

Das es sich so sehr eingebrannt hat, dass ich heute davon überrascht bin wenn Ärzte meine Symptome glauben/bestätigen.

Vielleicht ein bisschen über mich: Ich bin 18, chronisch krank und mache grade Abi. Ich habe in meinem Leben schon zu viele Ärzt*innen gesehen und negative Erfahrungen gemacht:

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den Termin beim Arzt. Ich war mal wieder krank und weil meine Ärztin nicht da war musste ich zu ihm. Ich bräuchte nur eine Krankschreibung, dass es ein Virus sei war ja schon klar sagte ich. Und solange meine Mutter dabei war, war auch alles ok, er war nur etwas unsympathisch, wie immer. Aber dann schickte er sie raus. Ich weiß nicht ob er mich gefragt hat, ob das ok für mich ist. Ich war zu verrotzt, krank und vor allem überrumpelt.

An das was er mir dann an den Kopf geworfen hat kann ich mich nicht alles erinnern. Aber was hängen geblieben ist höre ich noch heute.

Ich sei eine Last für mein Umfeld, ob ich mir schonmal darüber Gedanken gemacht hätte? Für mein Alter würde ich ja eh sehr viel nehmen, ob das wirklich nötig sei. Da sollte ich ja nur mal drüber nachdenken. Ich sollte mal anfangen nicht so negativ zu sein. Gesünder zu sein. Nicht so schwach zu sein. Nicht so eine Last zu sein. Es könnte ja nicht sein, dass ich ständig beim Arzt wäre. In meinem Alter.

Dann hat er mir gesagt, dass er sich nicht getraut hätte das vor meiner Mutter zu sagen. Darum hätte er sie rausgeschickt.

An dieser Stelle möchte ich anmerken: ich war 15. Krank. Müde. Alleine. Alle Medikamente, die ich genommen habe waren von Ärzten verschrieben, damit ich funktionieren kann. Ich habe spätestens nach dem zweiten Satz Rotz und Wasser geheult.

Und vor allem: ich habe das geglaubt.

Das war nicht das erste und definitiv nicht das letzte mal das mir solche Dinge gesagt wurden. Mir wurden meine Schmerzen nicht geglaubt, meine Symptome nicht geglaubt. Ärzte reagieren überrascht, wenn andere meine Aussagen bestätigen.

Und ich auch. Ich bin im Moment krank zu Hause und es ist Jahre später immer noch ein „Erfolgserlebnis“ wenn sowohl ein Familienmitglied was das gleiche hat und Ärzte meine Symptome bestätigen. Ich kann mir immer noch nicht selber glauben, wenn ich Schmerzen habe.

Ich könnte noch viel mehr Geschichten dazu erzählen. Aber ich kann euch auch einfach den Link hier lassen: https://www.smh.com.au/healthcare/i-didn-t-push-it-women-avoid-doctors-over-drama-queen-syndrome-20180925-p505xa.html

Ihr seid nicht alleine. Deine Symptome sind echt.

Spoonie over and out!

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