Wie ich bin. Wie es ist.

Ich sei wie mein Vater. Oder dessen Mutter. Das pflegte meine Mutter mir um die Ohren zu hauen, wenn ihr etwas, das ich tat, nicht gefiel. Und dass das die größte Verletzung war, die sie mir zufügen konnte, dafür hatte sie jahrelang gesorgt. Als ich eine Jugendliche war, war ihr zum Beispiel meine Schlüpferschublade nicht ordentlich genug. Als sie Jahre später einen ordentlichen Schrankinhalt in meinem Haushalt sah, machte sie automatisch meinen damaligen Mann dafür verantwortlich. Und als mein Exmann und ich uns trennten und klar war, dass die Kinder bei ihm leben würden, war sie sich sicher, dass ich mich von nun an – oder spätestens nach einiger Zeit – nicht mehr um sie kümmern würde. Das ist jetzt drei Jahre her.

Mein Vater brachte mich als Vorschulkind, wenn er mich denn an den Besuchswochenenden überhaupt holte, in einer Art Abstellraum unter, wo außer fünfzigmilliarden Hausstaubmilben auch noch ein Wellensittich lebte. Ich schlief auf einem nicht bezogenen, kratzigen, alten Sofa und bekam eine nicht bezogene, kratzige, alte Wolldecke.

Ich durfte selten zum Kuscheln in sein Bett kommen. Nicht selten nahm er mich zu seinen ausgedehnten Kneipenbesuchen mit oder lud mich, wenn er Besseres vorhatte, bei seinen Eltern ab. Der verbale Post-Scheidungs-Kleinkrieg meiner Eltern fand zu einem großen Teil über mich als Botin statt.

Wer diesem Blog und meinem neuerdings wiederbelebten Twitteraccount folgt, weiß, dass das hier anders läuft. Nur meine Mutter wird es wohl nie wahrhaben wollen. Und es ist mir inzwischen auch egal.

Sowohl meine Kinder und ich als auch meine Frau und die Kinder haben ein prima Verhältnis zueinander. Wir können keine großen Sprünge machen, doch wir sind einfallsreich. Wir haben es nicht immer einfach miteinander, doch wir begegnen uns stets respekt- und liebevoll. Unsere gemeinsam verbrachte Zeit ist Qualitätszeit. Wir bereichern uns gegenseitig und lernen voneinander. Es gibt weder seelische noch körperliche Gewalt, sondern meine Frau und ich möchten dazu beitragen, beide Kinder zu stabilen Persönlichkeiten wachsen zu lassen. Sie haben mich nicht immer um sich. Aber sie sind sich meiner sicher.

Ich mache meine eigenen Fehler. So einfallslos, dass ich die meiner Eltern wiederholen müsste, bin ich nicht. Und wer das nicht begreift; wer in starren Vorurteilen denkt und sich gewiss ist, sowieso und allein den vollen Durchblick zu haben, der oder die hat in meinem und unserem Leben nichts zu suchen.

So einfach ist das.

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