Doof. Na und?

Es gibt doofe Leute. Und Leute, die Doofes tun. Und wir alle leiden mal mehr und mal weniger darunter, während wir stets versuchen, genau das Gegenteil zu sein und zu tun: klug, überlegt, nachhaltig, unkritisierbar, kurz: richtig. Oder wenigstens so, dass wir uns selbst noch ausstehen können.

Warum eigentlich? Warum haben einige quasi einen Freibrief dafür, Dummes zu tun und wir brechen uns einen ab und kriegen dennoch permanent was drauf? Warum bin ich überkritisch mit mir selbst und glaube, die Dämlichkeit, Ignoranz und Dreistigkeit anderer klaglos ertragen zu müssen?

Immer öfter versuche ich das jetzt anders zu sehen und anders zu machen. Denn ›dumm‹ ist ohnehin Ansichtssache und was interessiert mich schon die Ansicht Anderer!

Ja, gut, dann hab ich eben was Doofes getan, als ich in meinem Ärger den Nachbarn anschnauzte. Oder als ich den den Fußweg mit einem Parkplatz verwechselnden Falschparker leider mit einem Mülleimer verwechselte und den zugeknoteten Kacksack des Hundes unter seinen Scheibenwischer klemmte. Egal. Menschlich. Es bleibt ohnehin nichts von mir in Erinnerung, wenn ich den Löffel eines Tages abgebe. Außer vielleicht, dass ich so verantwortungslos war, meine Kinder bei ihrem Vater zu lassen. Oder so mutig und modern? Wer weiß schon, was kommende Generationen über uns denken. Und wir bekommen davon ohnehin nichts mehr mit.

Ich nehme mir die Freiheit, Mensch zu sein. Fehler zu machen. Doofes zu tun. Ich diskutiere mit AfD-WählerInnen, maule rücksichtslose VerkehrsteilnehmerInnen an, bescheinige dem Kinder bedrohenden Nachbarn seine Zugehörigkeit zu diesem, wie er es nennt, Irrenhaus und nehme mir den Platz, der mir auf dieser verdorbenen Welt genau so zusteht wie jedem anderen Menschen auch.

Twitter? Nutze ich nicht mehr.

Familie? Hat mich nicht mehr.

Freunde? Interessieren mich nicht mehr.

Sollen doch alle von mir halten und über mich sagen, was sie wollen. Das ist ja zum Glück keine Einbahnstraße. Ich denke nämlich über andere auch, was ich will. Und ich weiß zum Glück über mich mehr als jedeR andere. Zum Beispiel, dass ich nie jemandem absichtlich Leid zugefügt habe. Dass ich niemals jemanden betrogen habe. Dass ich nie jemanden bedroht oder belästigt habe. Dass ich eine Freundin sein kann, um die man andere nur beneiden kann, hilfsbereit, einfühlsam und loyal. Und vieles mehr. Und das klingt doch eigentlich nach einer ganz passablen Person. Und vielleicht nach der besten Freundschaft, die ich je hatte.

Doch, ich kann ganz zufrieden sein. Mit oder ohne Doof. Und auf jeden Fall entspannter.

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