Don’t give up.

„Don’t give up, ’cause you have friends“.

So lautet eine Textzeile aus dem Song „Don’t give up“ von Peter Gabriel, begleitet von Kate Bush, zu hören hier.

Gib nicht auf, Du bist nicht allein. Du hast doch uns. Wir lieben Dich und glauben an Dich. Du bist uns wichtig, wir sind für Dich da. Gemeinsam schaffen wir das.

Sinngemäß ist es das, was Kate Bush dem verzweifelnden Peter Gabriel während der innigen Dauerumarmung ins Ohr singt, nachdem er seine Verzweiflung ausdrückt und auch an Selbstmord denkt. Ermutigend. Wertschätzend. Liebevoll. Völlig unabhängig von der Art der Beziehung zueinander.

Ich habe weder Familie noch Freunde, die hinter mir stehen würden, mich ermutigen, wertschätzen, die mich nicht verlieren wollen. Nicht ein einziger Mensch aus meinem früheren Umfeld ist mir geblieben und es tut verdammt weh, niemandem etwas wert zu sein. Niemandem ein klärendes, vielleicht unangenehmes Gespräch und ein paar ehrliche Worte, die nicht zwingend verletzend sein müssen, wert gewesen zu sein. Nicht mal zum Abschied.

Und ich habe trotzdem nicht aufgegeben. Ist das nicht toll? Bin ich nicht stark? Obwohl ich an mir zweifele, mich nach meinem eigenen Anteil an dieser Situation frage, mache ich weiter. Immer weiter. Obwohl mir niemand sagt, ich solle nicht aufgeben, man sei doch für mich da, habe ich nicht aufgegeben. Obwohl es niemanden interessiert, ob ich aufgebe, ob ich weiter existiere, habe ich noch immer nicht aufgegeben. Ich war ein paar Mal sehr nah dran. Nur, wer es selbst mal durchgemacht hat, weiß, wie viel Kraft es kostet, „einfach immer weiter zu machen“. Einfach.

Selbst ich als meine strengste – wenn auch voreingenommene – Richterin rechne mir das hoch an. Ich habe nicht aufgegeben. Das ist eine anerkennenswerte Leistung. Und es ist schön, dass es mich noch gibt.

Anstatt das auch von anderen Menschen zu hören zu bekommen, denen man solche Gedanken unterstellen können sollte, höre ich in meinem Kopf all die gemeinen Worte gemeiner Leute, die sich über die Jahre dort angesammelt und gegenseitig verstärkt haben. Anstatt „Hey, schön, dass es dich noch gibt. Ich bin froh, dass du nicht aufgegeben hast. Gute Leistung“ echot dort in einer Art Endlosschleife „Du arbeitest noch immer nicht? Du wertloser Schmarotzer! Du faules Stück! Auch andere Menschen haben Krisen überwunden, bilde Dir da ja nichts drauf ein! Geh halt einfach über Deine Grenzen hinaus, immer wieder! Das ist Training und reine Willenssache! Du WILLST doch einfach nur nicht. Einfach immer weitermachen! Du musst einfach nur … “

Dumme Worte sind wie dumme Menschen. Sie gewinnen schnell die Oberhand und verstärken sich gegenseitig. Niveau und Mitgefühl sind ihnen fremd; sie können nur fordern und verletzen, missachten, erniedrigen und herumschreien, Antworten schuldig bleiben und von den echten Problemen und Lösungen ablenken. Jedes Gespräch zum Anlass nehmen, das Thema auf sich selbst zu lenken. Sich stärker aussehen lassen als sie sind.

Es hätte gut getan, hin und wieder ermutigende Worte von nahestehenden Menschen zu hören oder eine Umarmung zu bekommen. Wer sagt, auf Leute, die eine im Stich lassen, könne man eh verzichten, macht es sich zu einfach. Auf meine Familie bezogen zum Beispiel stimmt es; ich möchte um keinen Preis der Welt diese Leute wieder um mich haben. Trotzdem fehlt es mir, sowas wie eine Familie zu haben. Menschen, denen man vertrauen kann, weil Blut doch angeblich dicker ist als Wasser.

Momentan bin ich es leid, mich immer wieder Menschen anzunähern und mich auf sie einzulassen. Es ist hart, allein zu sein. Aber es ist weit weniger riskant und es erspart mir Enttäuschungen. Von denen hatte ich in den letzten Jahren mehr als ausreichend.

Was Peter Gabriel übrigens unter anderem noch singt und was mir am ehesten Kraft gibt, ist folgende Passage:

Got to walk out of here

I can’t take any more

Gonna stand on that bridge

Keep my eyes down below

Whatever may come

And whatever may go

That river’s flowing

That river’s flowing

Ich deute das als: aufgeben kann man später immer noch.

Und das ist ein verdammt tröstlicher Gedanke.

Kommentar verfassen