Zwillinge.

Ich hatte schon als Kind oft das Gefühl, ich hätte eigentlich eine von Zwillingen sein sollen und sei das nur deswegen nicht, weil bei der Zellteilung und Entwicklung irgendwas schiefgegangen sei. Dieses Gefühl wurde mit dem Älterwerden immer stärker, ich fühlte mich oft unverstanden, einsam und traurig. In der Psychotherapie erfuhr ich, dass das möglicherweise schon ein Anzeichen für meine homosexuelle Veranlagung gewesen sein könnte. Denn geht man davon aus, dass es sich in meiner Vorstellung um eineiige Zwillinge gehandelt hätte, wäre mein Gegenüber ja ebenfalls weiblich gewesen.

Gleichartig.

Homo.

Nach mittlerweile fast drei Jahren als Frauenliebende habe ich immer mehr das Gefühl, dass es echte, tiefe Liebe nur zwischen Frauen geben kann. Manchmal neige ich sogar zu der extremen Meinung, Ihr Heten wisst gar nicht, was Ihr verpasst. Was mich wiederum verstehen lässt, warum manche Frauen zu „Kampflesben“ mit wenig Toleranz für Andersliebende werden können. Und so will ich nicht sein.

Letzten Endes muss jede für sich selbst herausfinden, was sie braucht und mit dem Kopf beeinflussen lässt sich das natürlich nicht. Mir tun nur Menschen ehrlich leid, die nicht offen genug sind um in Betracht zu ziehen, dass anders auch glücklich sein kann – oder vielleicht sogar glücklicher. Wäre ich früher offener gewesen oder mit der Option bewusst aufgewachsen, wäre mein Leben wohl anders verlaufen. Aber mir kam nie im Entferntesten in den Sinn, dass ich, die LGBTi* -Unterstützerin, selbst betroffen sein könnte.

Mir ist wichtig, dass meine Kinder mit dieser Offenheit aufwachsen, damit sie den für sie richtigen Weg zum Glück selbst finden können. Deswegen ist bei Themen wie „wenn du später mal einen Mann/ eine Frau hast,…“ nie von einem bestimmten Geschlecht die Rede.

Einer der Unterschiede zwischen meinen bisherigen Hetero- zu meiner jetzigen Frauenbeziehung, die ich wahrnehme, ist, sich nicht erklären zu müssen. Weder der weibliche Körper noch die Psyche sind der anderen fremd. Bedürfnisse sind bekannt und müssen nicht erklärt oder ihre Befriedigung erkämpft werden. Zwischen uns besteht eine tiefe, beinahe symbiotische Nähe, die ich sehr genieße.

Sicher ist das nicht für jede das Richtige und es kommt wohl auch nicht in jeder Frauenbeziehung vor. Bei uns ist es so und es ist wunderbar.

Deshalb kann sich auch nichts und niemand zwischen uns schieben. Und das ist ein verdammt tiefes, gutes, stabiles Gefühl.

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