Ich, die glückliche Lesbe.

Die letzten Jahre waren für mich wirklich hart. Wie oft ich an Suizid dachte und mir überlegte, welche wohl die für mich angenehmste Art zu sterben sei. Und noch immer kämpfe ich oft mit der Akzeptanz, kriege tiefere depressive Phasen, bin todunglücklich über die Trennung von meinen Kindern, meine gesundheitliche und meine berufliche Situation. Aber meistens bin ich froh, am Leben zu sein – und endlich wahrhaft zu leben.

Insgesamt und angesichts der Alternativlosigkeit der meisten wichtigen Entscheidungen der letzten Jahre kann ich inzwischen sagen:

ja, ich bin lesbisch und das ist verdammt gut so!

Ich lebe mit einer wundervollen Frau zusammen, die mich dabei unterstützt, mich selbst zu finden, wo ich es noch nicht geschafft habe. Seit ich offen lesbisch lebe, fühle ich mich selbst viel weiblicher und viel mehr als Frau. Ich lebe bewusster, lehne mich und insbesondere meinen Körper weniger ab und genieße mit allen Sinnen.

Ich fühle mich angenommen und, ja, ich fühle mich angekommen.

Ab jetzt geht es bergauf, jedenfalls überwiegend.

Ich bin glücklich, endlich meinen Platz gefunden zu haben. Als hätte ich jahrzehntelang in einem Eisblock vor mich hin vegetiert. Die Haut kribbelt noch hin und wieder, aber das gehört zum Auftauprozess dazu. Ich bin glücklich zu leben. Ich bin glücklich zu lieben. Ich bin glücklich zu fühlen, wie ich fühle. Endlich weiß ich, dass das so für mich richtig ist. Ich bin gut so, wie ich bin. Und ich kann meinen Kindern eine gute Mutter sein, die zu sich steht und ihnen vorlebt, dass das gut und wichtig ist. Dass es viele Wege gibt, die man gehen kann, um sein Glück zu finden.

Und dass jeder Mensch das Recht hat, glücklich zu sein. Auch, wenn er dabei Spuren hinterlässt, die nicht jedem gefallen.

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