Zwischen den Fronten. Zerrieben.

„Sag deiner Mutter, sie soll dir mal wieder die Fingernägel schneiden“ beauftragte mich mein Vater. Ich war vielleicht etwa vier oder fünf und ich erinnere mich noch genau. „Du kannst deinem Vater sagen, dass er das auch ruhig mal machen kann“ lautete die wütende Antwort meiner Mutter, die ich ihm überbringen sollte. (Symbolbild.)

Meine Eltern, als ich zwei Jahre alt war bereits geschieden, „kommunizierten“ über mich, wenn man das so nennen will. Sie beide waren voll von verletztem Stolz und Wut, wie das eben oft so ist nach gescheiterten Beziehungen. Da zahlt man es eben einander so gut heim wie man kann, wenn einem Verletzungen widerfahren sind und man sich machtlos fühlt. Jedenfalls dann, wenn man jung und/ oder unreflektiert ist oder es nicht besser kann.

Und als Kind steht man dazwischen, wird aufgerieben, in einen Solidaritätskonflikt gezwungen, den niemand gewinnen kann und der dem Kind von allen am meisten schadet.

Für meine Kinder möchte ich das nicht. Sie sollen sich nicht entscheiden müssen, wen sie mehr lieb haben. Sie sollen nicht manipuliert werden, indem jemand ihnen mehr erlaubt, mehr schenkt, mehr wasweißich als der oder die andere. Sie sollen sich nicht selbst dadurch abgewertet fühlen, dass ein Elternteil ihnen gegenüber schlecht vom anderen spricht.

Deshalb mache ich das nicht. Ich spreche den Kindern gegenüber nur positiv oder höchstens neutral von ihrem Vater. Wenn sie zum Beispiel mal wieder erzählt bekommen wollen, wie das damals bei ihrer Geburt alles war. Ich erzähle ihnen beispielsweise, wie sehr wir uns gemeinsam auf sie gefreut haben, dass sie einen sehr liebevollen Papa haben, der sie ganz sicher über alles liebt. Ich frage sie nicht nach ihrem Vater aus und erzähle ihnen nicht, falls ich mich über etwas, das mit ihm zu tun hat, ärgere oder traurig bin.

Mein Ex-Mann und ich lieben uns nicht mehr und natürlich fühlen wir uns beide von der / dem anderen verletzt, ungerecht behandelt und haben Dinge gesagt und getan, die wir im Nachhinein nicht in Ordnung finden. Aber wir haben gemeinsam zwei wundervolle Kinder und ob es uns gefällt oder nicht werden wir noch so etwa die nächsten 15 Jahre lang miteinander verbunden sein. Die Kinder können nichts für diese Situation. Sogar wir selbst sind nur eingeschränkt dafür verantwortlich. Bei uns Erwachsenen liegt nun die Aufgabe, das Beste für alle daraus zu machen. In unserer Traurede im Standesamt vor 12 Jahren ging es um die Verantwortung, die man spätestens durch die Heirat füreinander übernimmt und zumindest ich sehe mich noch immer zum Teil in dieser Verantwortung. Geht es meinem Ex-Mann nicht gut, dann geht es auch meinen Kindern nicht gut. Das bedeutet nicht, dass ich mich für sein Glück verantwortlich fühlen würde. Aber ich habe auch nicht vor, ihm und seiner neuen Patchworkfamilie das Leben schwer zu machen und für Unglück zu sorgen, wenn es sich verhindern lässt. Denn ich bin eine der Erwachsenen.

Leben. Und leben lassen.

Damit es den Kindern gut geht, denn um nichts anderes geht es.

Peace.

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