Im Krankenhaus.

Es ist Samstag, 23:45 Uhr. Ich sitze auf einem Krankenhausflur, neben mir eine Tasse Pfefferminztee, und grübele. Leute telefonieren über Lautsprecher, Türen knallen, es zieht, ständig plingen Alarme von allen Seiten. Eine Nachtschwester motzt anstrengende Patienten an. Ich bin müde, hungrig, genervt und fertig.

Denn seit gestern früh habe ich Schwindel. Immer schlimmer wurde er mit der Zeit und irgendwann stand ich vor Übelkeit würgend am Waschbecken, weil der Gang zum WC mir so zugesetzt hatte.

Ich bat also meine Frau, mich ins Krankenhaus zu fahren, was sie trotz widriger Umstände meisterte. (Danke, mein Liebling!)

Eigentlich hatten wir für heute und die folgenden Tage anderes geplant: Zeug fertig packen, Montag und Dienstag je zwei wichtige Termine, Dienstag die Kinder noch mal ausführen, Sonntag gut kochen, ein bisschen Zeit zu zweit genießen. Bevor es dann am Mittwoch zur Reha geht.

Und jetzt sitze ich hier. Mein Blutdruck hat sich dank starker Medikamente normalisiert. 188 zu irgendwas fühlt sich wirklich nicht gut an. Der Schwindel hält sich einigermaßen in Grenzen. Wirklich gut komme ich aber nicht klar. Immerhin für innerhalb der Station reicht’s. Aber diese Kopfschmerzen!

Und dieses Zimmer! Beziehungsweise seine zwei anderen Bewohnerinnen. Die eine redet permanent, im wachen oder schlafenden Zustand und am Liebsten mit sich selbst. Die andere imitiert recht erfolgreich zehn Sägewerke. Es riecht nach Urin, Sauerkraut und Altenheim. Ich kann nicht schlafen, im Schädel hämmert es unerträglich. Ich bin licht- und lärmempfindlich, aber darauf kann keine Rücksicht genommen werden.

Die Schmerztablette hätte wohl genau so viel bewirkt, hätte ich sie tief in einen Blumenkübel gedrückt und fünf Liter Wasser drüber gegossen. Das Zimmer ist zu warm, zu unruhig, zu schlecht gelüftet. Ich vermisse meine Frau und unser Zuhause. Ich könnte periodisch heulen.

Am Montag muss ich mir noch vom Hausarzt bescheinigen lassen, dass ich reise- und rehafähig bin. Bin ich das denn? Mir geht es scheiße und das ist zuhause meist immerhin angenehmer als in der Klinik. Aber geholfen werden und untersucht werden kann da nix. Mein Koffer wurde natürlich bereits abgeholt und kommt demnächst in der Rehaklinik an. Wo ich dringend hin muss, weil ich mir so viel Gutes davon erhoffe. Und die Klamotten darin bräuchte ich zum Teil jetzt hier.

Ich bin unentschlossen.

Natürlich wäre es sinnvoll, hier zu bleiben, bis ich durchgecheckt wurde und es mir besser geht.

Aber in diesem Zimmer werde ich weder am Tage noch nachts schlafen können und tagsüber kann ich aus Rücksicht auf meine Nachbarinnen auch nichts tun, das mich unterhalten oder mir gut tun würde. Ich bin bei allem Verständnis für die etwa 90jährigen Damen jetzt schon genervt und bin mir sicher: SO kann ich nicht gesund werden.

Und kann das alles nicht auch ambulant stattfinden, was jetzt folgen wird und muss?

Und wenn ja: wie soll ich denn da hinkommen, wenn ich’s zur Bahn nicht schaffe und nicht Auto fahren kann?

Ach ach ach.

Und jetzt weiß ich auch nicht. Warum schreibe ich das hier alles? Vielleicht, um meine Gedanken zu sortieren und zu einer Entscheidung zu kommen. Schreiben hilft mir dabei. Vielleicht, weil ich gerade nichts anderes tun kann. Vielleicht, weil ich mich gerade verdammt allein fühle, zu später Stunde, wenn andere Menschen schlafen.

Es ist Sonntag, 0:18 Uhr. Ich sitze noch immer hier und versuche, mich vom Hämmern in meinem Schädel abzulenken.

Leute telefonieren immer noch über Lautsprecher, Türen knallen, es zieht, ich friere. Die Nachtschwester rennt von Alarm zu Alarm. Ich bin müde, verdammt hungrig, furchtbar genervt und insgesamt fertig.

Und habe keine Ahnung, was ich machen soll.

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