Familie.

Ich vermisse eine Familie.

Ich vermisse das Gefühl von Geborgenheit in Omas Küche, auf der Eckbank, bei einer Tasse ihres guten Kaffees und ihre weiche Wange an meiner, wenn wir uns verabschieden.

Es fehlt mir, mit meiner Tante und ihrer Familie im Garten zu sitzen, zu grillen, zu reden und zu lachen.

Ich vermisse es, ein offenes Ohr zu finden bei einer Mutter, die nur Gutes für mich will. Mich fallen zu lassen auf das weiche Sofa, den kleinen Hund auf dem Schoß zu haben und einfach nur da zu sein.

Es fehlt mir, willkommen zu sein und ein geschätztes Mitglied der Familie, dem man zum Geburtstag gratuliert.

Mir fehlt es, sicher zu sein, Ehrlichkeit und einen geschützten Raum vorzufinden, wenn ich ihn brauche; geliebt und angenommen zu werden wie ich bin. Die Sicherheit, von und in meiner Familie aufgefangen zu werden, wenn ich falle; die fehlt mir.

Und dennoch nehme ich keinen Kontakt auf. Ich will es nicht. Auch nicht, wenn man mir Blumen schickt oder pseudo-anonyme Briefe, ohne Worte, nur mit einem Veranstaltungsflyer darin. Ich brauche keine wackelige Brücke, denn man würde mich wieder und wieder baden gehen lassen, ganz nach Belieben. Ich will keinen kleinen Finger hingehalten bekommen, denn ich bin inzwischen zu groß dafür und will nicht mehr auf den Arm.

Ich will und werde es nicht tun.

Weil es bedeuten würde, dass ich angekrochen kommen müsste, mich klein machen aufgrund einer Entwicklung, für die ich nicht (allein) verantwortlich bin und für Fehler, die aus meiner Sicht keine sind. Weil ich so tun müsste, als hätte meine Familie das naturgegebene Recht, mich zu verletzen, zu verurteilen, zu manipulieren und zu maßregeln, nur weil wir miteinander verwandt sind.

Weil ich vorgeben müsste, nicht zutiefst verletzt worden zu sein als man mich beschimpfte und im Stich lies und als ich Hilfe so nötig gehabt hätte wie nie zuvor.

Und weil ich die Dinge, die ich vermisse, in meiner Familie ohnehin nicht bekommen kann. Denn in meiner Familie gibt es sowas nicht. Sie ist dazu nicht fähig. Es würde nur genau so weitergehen wie es immer ging. Es wäre nur eine Frage der Zeit.

Also nein; ich vermisse nicht meine Familie. Ich vermisse EINE Familie.

Eine richtige.

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