Beispielsweise Frieden.

Eigentlich möchtest du nur Frieden. Du möchtest, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Dass es im Interesse aller liegt, dass es allen gut geht und dass von allen entsprechend gehandelt wird.
Aber entscheidest du dich für das Loslassen, die Ehrlichkeit, Offenheit und Rücksicht, und bist du die Einzige, die das tut, präsentierst du deine verletzlichsten Stellen. Aus Erfahrung weißt du, dass diese Chance von jemandem genutzt werden wird. Und tust es trotzdem.

Aber irgendwann machst du das nicht mehr. Du reichst nicht mehr die Hand. Bist nicht nachsichtig. Nicht mit anderen und nicht mit dir. Du separierst dich. Obwohl das nicht deiner Art entspricht, schützt du dich so vor Angriffen von außen und kannst dann wenigstens nicht mehr naiv, dumm und gefühlsgesteuert genannt werden. Stattdessen zerfressen dich der Zweifel und die Einsamkeit und das ständige Abwägen kostet dich dein inneres Gleichgewicht.

Sowas passiert mit Menschen, die zu oft zu sehr vertraut haben. Deren Seelenqual man als Instrument genutzt hat, um sie noch tiefer zu verletzen. Denen man Freundschaft, Zusammengehörigkeit und Fairness vorgegaukelt hat, um eigene Ziele leichter erreichen zu können.

Menschen, deren Freundlichkeit, Empathie und Ehrlichkeit man gegen sie verwendet, machen keine Komplimente mehr, weil sogar die später als Zeichen ihrer Schlechtheit gegen sie benutzt werden. Sie sorgen nicht mehr für das Wohlergehen anderer. Sie haben es schwer, zu vertrauen, zu vergeben und Ansprüche, Vorstellungen und Erwartungen loszulassen. Vielleicht gehen manche solcher Menschen künftig eher zum Kampf über, als immer und immer wieder zurückzustecken, sich zurückzunehmen, mitzufühlen, den Bedürfnissen anderer Vorrang einzuräumen. Worauf sollen sie auch noch Rücksicht nehmen?
Vielleicht hat auch der geduldigste Mensch irgendwann genug Erniedrigung erfahren. Vielleicht funktioniert eine Gesellschaft nun mal so.

Und dann kommen Leute, die dich seit vielleicht ein oder zwei Jahren kennen und behaupten, du hättest dich verändert – natürlich zu(ihre)m Nachteil. So wollen sie dich nicht. Und du lachst und erkennst die Lächerlichkeit dieser Personen und dir wird die Lächerlichkeit eurer bisherigen Beziehung klar und du weißt genau, dass es diese Personen waren, die deine Veränderung mit verursacht haben und auch, dass sie das niemals begreifen werden, diese bedauernswerten Menschen.

Und alles erscheint lächerlich und traurig gleichermaßen und du suchst einen Menschen, der deine Wertvorstellungen teilt. Du erfährst wie es ist, umsorgt zu werden. Annehmen zu dürfen, und zwar Gutes und auch dich selbst. Geben zu dürfen, ohne zu viel zu sein. Umsorgen zu dürfen, ohne ausgenutzt zu werden. Du erfährst wie es ist, wenn jemand einfach so möchte, dass es dir gut geht. Und zwar nicht, weil er sich selbst darstellen möchte. Sondern weil er dich liebt. Du lernst – im besten Fall – wieder zu vertrauen. Dieses Mal aber nur noch den richtigen Menschen. Und dir.

Es ist ein steiniger Weg, den du barfuß gehen musst, damit du ihn zu schätzen weißt.
Und irgendwann erlebst du dein persönliches Happy End.

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