Ein ganz normaler Tag. Zum Glück.

Selten stand ich meinem Geburtstag so ablehnend gegenüber wie heute. Ich habe keine Lust darauf, dran zu denken, darüber nachzufühlen, will niemanden sehen, keine Anrufe bekommen, keine Post, keine Aufmerksamkeit. 

Vor einem Jahr war das anders. Ich veranstaltete die größte Fete meines Lebens. Ich lud nicht nur Freunde ein, sondern auch Bekannte und wenn die noch Freunde mitbringen wollten- bitte, gerne! Ich hatte so richtig Lust, meinen Geburtstag laut und ausgiebig zu feiern, begriff ihn als den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Es kamen über 30 Personen, darunter viele MusikerInnen. Es wurde gespielt, gesungen, geschmaust, sich unterhalten, sich verliebt, und letzteres feiere ich heute innerlich sehr. (An dieser Stelle ein <3 ! )

Meine Mutter und ihr Mann kamen nicht, weil ich ein Jahr zuvor in der psychosomatischen Reha keinen Besuch hatte haben wollen. Ich war dort, weil ich einen Zusammenbruch gehabt und an Selbstmord gedacht hatte. Mein Leben war aus den Fugen geraten. Ich brauchte diesen Schutzraum. Also gingen sie nach eigener Aussage davon aus, dass das ab jetzt immer der Fall sein würde und verreisten im Jahr darauf. Inzwischen hat es sich so entwickelt, dass ich tatsächlich keinen Wert mehr auf ihre Anwesenheit lege. 

Die letzten beiden Tage über habe ich mit den drei Menschen gefeiert, die mir am meisten bedeuten: mit meinen Kindern und meiner Liebsten. Sie sind das wahre und größte Geschenk. Wir verbrachten einen ganzen Tag im Schwimmbad, den anderen auf dem Spielplatz, beim Geschichtenvorlesen und mit dem Backen und Verspeisen leckerer Waffeln. Die beste Freundin ist momentan krank, mein Vater muss arbeiten und ansonsten gibt es einfach niemanden mehr, der sich für mich interessieren und gern Zeit mit mir verbringen würde. 

Mein Geburtstag ist immer eine innere Zeitreise für mich. Allein während der letzten 365 Tage ist in meinem Leben mehr passiert als bei anderen in einem Jahrzehnt. Ich habe mich entwickelt, mich von manchen Menschen und Vorstellungen verabschiedet, bei anderen bin ich noch dabei, das zu tun. Ich weiß, dass es bei vielen nicht gut ankommt, wenn ich mich auch nach meinen eigenen Bedürfnissen richte und es ist mir inzwischen egal. Denn die richtigen und einzig wichtigen Menschen unterstützen mich dabei. Die, um die es mir geht, stehen auf meiner Seite.   Die wollen, dass es mir gut geht und vertrauen darauf, dass ich gerne auch für ihr Wohl sorge, sofern ich kann. 

Ich will nicht über Verlorenes weinen. Es passiert ohnehin noch häufig genug, ohne dass ich etwas dagegen tun könnte. Heute weigere ich mich, mich in eine emotionale Grundstimmung bringen zu lassen. Ich verbringe meinen Geburtstag so wie jeden anderen normalen Tag. 

Nur vielleicht ein klein wenig entspannter. Das Alter. Sie wissen schon. 

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