Fühlen und Wollen und nicht. #notjustsad 

Viele Depressive leiden darunter, dass sie nichts fühlen und nicht weinen können. Ich habe das vermeintliche Glück, lachen, weinen und fühlen zu können. Trotz der Depression. Und wegen ihr. 

Oft ist es zu viel. Zu viele Gedanken, zu viel Gefühl, zu viele Tränen. Ich will das nicht, ich fühle mich bereits leer, trockengeweint, ausgebrannt. Es kostet unglaublich viel Kraft. Und trotzdem geht immer noch mehr. So oft denke ich, ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Nicht mehr weinen, nicht mehr fühlen, gar nichts mehr. Dann wieder glaube ich, es geht bergauf, ich kriege das hin. Um im nächsten Moment wieder ganz unten zu sein. Ohne Mut, ohne Zuversicht, dafür voller Selbstzweifel und Schmerz. Ideenlos. Ausweglos. Mutlos. 

Alltag und Normalität als nicht zu meisternde Herausforderung. 

Gefühle überlagern das Denken und das Verstehen und verhindern das Finden einer Lösung. Ich kann mir nicht gut Dinge merken, es fällt mir schwer, schwierige Sachverhalte und Texte zu verstehen, längeren Gesprächen zu folgen. Es gelingt mir nicht gut, Situationen realistisch einzuschätzen. Dafür treffen mich anrührende Sprüche, Fotos, Nachrichten, Geschichten unvermittelt ins Mark. Unterstellungen und Unverständnis von außen machen mir zu schaffen. Ansprüche von Ärzten, die finden, ich müsse allein durch Augenkontakt gesund werden, während ich für ein KG-Rezept vor ihnen im Staub krieche. Der Physiotherapeut, der findet, ich müsse kräftig Sport machen, während ich vor Schmerzen kaum kriechen kann. Außenstehende, die finden, das sei doch alles halb so schlimm und außerdem hätte ich doch alles so gewollt, also…!

Ich bin tieftraurig. So sehr, dass es körperlich wehtut. Manchmal frage ich mich, wie es sein kann, dass mein Herz noch schlägt. Wo es sich doch anfühlt, als würde es sich um sich selbst wickeln. Und in diesen Momenten finde ich die Vorstellung, es würde einfach seinen Dienst versagen, überhaupt nicht schlimm.

So gut ich verstehen kann, dass es eine Qual sein muss, nicht fühlen und nicht weinen zu können, so sehr wünsche ich mir, es nicht mehr zu müssen. 
Ich will es nicht mehr. 

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