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Warum ich eine Pause brauche

Die Weihnachtszeit naht. Eigentlich eilt sie herbei, die angeblich so stille Zeit. Ho ho ho.

Die Zeit, in der man sich auf ein harmonisches Miteinander in der Familie vorbereitet, die liebsten Freunde noch einmal trifft, sich willkommen fühlt oder willkommen heißt, die Wohnung noch etwas gemütlicher macht und sich dann zurückzieht, um die letzten Tage des Jahres in einer Art Schutzraum zu verbringen. Fernab von Stress, Hektik und Streit. 

All das habe ich dieses Jahr nicht und nein, das habe ich mir nicht bewusst so ausgesucht, wie manche mir jetzt das Recht auf Jammerei abzusprechen meinen könnten. Lasst mich. Mein Leben, mein Jammern. 

Ich habe keine Familie mehr, ich werde nicht willkommen geheißen und ich lade nicht ein, denn da ist niemand mehr, der dafür in Frage käme. (Meine Kinder kommen natürlich zu uns und das ist ein echtes Highlight.)

Die meisten Freunde haben sich dafür entschieden, den Kontakt zu mir einschlafen zu lassen. Die anderen haben auch ohne mich genug um die Ohren. Die haben nämlich eine einigermaßen gesunde Familie. 

Meine Wohnung ist trotz vieler Mühen nicht gemütlich. Die Fenster sind allesamt undicht, die Heizung funktioniert nur eingeschränkt und den Vermieter kümmert es nicht. Er „bestraft“ mich mit Freundschaftsentzug (und dazu gehört offenbar auch das Nichterfüllen von Vermieterpflichten), weil ich nicht bereit war, ihn und seine Partnerin über die wichtigen Fragen meines Lebens bestimmen zu lassen und es auch irgendwann unterließ, sie umfassend über mein Privatleben zu informieren. So funktioniert Freundschaft nicht, findet er. Nun grüßen sämtliche Nachbarn der Umgebung nicht mehr, obwohl ich kaum mit ihnen zu tun hatte. Einer lässt gelegentlich seine ferngesteuerte und mit Kamera ausgestattete Drohne vor meinem Fenster fliegen und sie begleitete mich schon über meinem Kopf, als ich mal das Grundstück verließ. Nein, meine Wohnung ist kein Schutzraum. Eher ein Raum, vor dem ich Schutz suche. 

All diese Dinge habe ich mir nicht ausgesucht. 

Ich habe mir nicht ausgesucht, geboren zu werden und nicht die Eltern, die mich zeugten. Nicht die Tatsache, dass meine Ehe gescheitert ist. Nicht, dass mein Mann mir keine Liebe mehr geben konnte. Nicht, dass ich mich in eine andere Person verliebte, die zufällig eine Frau ist. Nicht, dass ich chronisch krank bin und deswegen nicht mehr in meinem Beruf arbeiten kann, so dass ich mir keine vernünftige Wohnung leisten kann. Ich suchte mir nicht aus, depressiv zu werden. Ehrlich, ich hatte mir mein Leben anders vorgestellt. Aber jetzt ist es wie es ist. Und die Depression hat mich wieder voll im Griff. Juhu.

Jetzt werde ich die wenige übrige Energie darauf verwenden, nicht unterzugehen. Wieder gesünder zu werden. Mich um meine drei liebsten Menschen zu kümmern. Mein Leben in der Hand zu behalten. Mein Fernziel ist es, mich besser zu fühlen und hoffentlich bald wieder arbeitsfähig zu werden. (Dazu gehört übrigens auch, einen Arzt zu finden, der mich mal richtig untersucht, anstatt mich einfach nur mit Tabletten  vollzustopfen.) Dazu gehört, Abstand zu allem zu halten, das mich schwächt. Wie zum Beispiel manipulative, bösartige oder streitlustige Menschen und schlechte Nachrichten aus aller Welt.

Und deswegen gehört auch Twitter dazu. 

Twitter ist schnell, laut und aufdringlich. Nur mal eben kurz etwas nachzugucken ist dort fast unmöglich, weil ich zu schnell an irgendeinem Thema festhänge und in eine Diskussion gezogen werde. Menschen sprechen von Meinungsfreiheit und meinen eigentlich, jedeR, die/der sich öffentlich äußert, sei deshalb in der Pflicht, seinen Tweet oder Text zu erklären, zu diskutieren, sich dafür zu rechtfertigen und sich angreifen zu lassen, und zwar sehr gerne auch unter der Gürtellinie. Der Hass und die Hetze machen vor nichts und niemandem mehr Halt. JedeR glaubt, die Wahrheit und das Recht in der eigenen Person vereint zu haben. 

Es ist mir zu viel. Zu viel Gefühl, denn davon habe ich schon selbst mehr als genug. Zu viel Hass, zu viel Häme, zu viel Mitgefühl bei mir, zu wenig Verständnis bei anderen. Mein Kopf rauscht. Ich leide unter Schwindelanfällen, bin angespannt, niedergeschlagen und energielos. Ich kann es nicht mehr filtern; schaffe es nicht, den Inhalten und Gefühlen nur den Raum zu geben, der ihnen zusteht und Gedanken in gesunde Bahnen zu lenken. 

Deshalb ziehe ich mich vorerst von Twitter zurück. Nicht, weil ich jetzt darauf hoffen würde, vermisst zu werden.  Sondern um Ruhe zu finden. Facebook und Whatsapp lies ich schon vor Monaten zurück, deswegen weiß ich, dass ich das kann und dass es mir hilft, auch wenn ich einige Nutzer sehr vermisse. 

Vielleicht ist der Abschied nur eine Pause, das ist durchaus möglich. Vielleicht bin ich schneller wieder da als es brauchte, diesen Blogpost zu schreiben. Ich lasse mir diesen Weg bewusst offen. Denn ich tue es nicht in Abhängigkeit von der Meinung anderer, sondern für mich. Ich tue das, was mir gut tut. 

Ich kümmere mich um meine Liebste, um meine Kinder, den Hund und Last But Not Least um mich und habe nicht vor, mich davon ablenken oder mich dafür be- oder verurteilen zu lassen. 

„Ach, die war schon öfter weg, die kommt bald wieder!“

Ja, das mag sein. Und bis dahin wünsche ich Euch eine wirklich ruhige, harmonische Weihnachtszeit und einen guten Rutsch. Passt auf Euch auf. 

P.S.: Ich würde mich freuen, wenn dieser Post auf Twitter geteilt werden würde, damit ein Teil meiner ehemaligen Timeline die Möglichkeit bekommt, ihn zu lesen. Danke! <3

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