Grübeleien, Depressionen und der Herr @verbockt.

Erst kam mein Coming Out, dann die Krise.

Die Fragen danach, wie mein Leben weitergehen kann, was meine Kinder brauchen, was ich brauche, was mein Umfeld erwartet, was sich verändern muss, wie ich alles unter einen Hut bekommen kann und viele mehr, trieben mich in quälende Grübeleien.

Der Unterschied zwischen denken und grübeln ist der, dass das Nachdenken lösungsorientiert ist. Man erkennt ein Problem, überlegt sich Lösungsmöglichkeiten, trifft eine Entscheidung. Grübeln jedoch verläuft im Kreis. Ein Kreis, aus dem man allein oft nicht herauskommt. Eine Spirale, die sich nach unten spitz zudreht. Deswegen erscheint es Angehörigen von Depressiven oft, als drehe sich die Welt des oder der Depressiven nur um ihn oder sie selbst.

Ich nahm mich als das Problem wahr und das wurde nicht besser dadurch, dass meine Mutter mir wörtlich sagte, ich würde ES für ALLE unerträglich machen. Also schien mir die Lösung des Problems das Auflösen meiner Person zu sein. Ich dachte ernsthaft über Selbstmord nach. Dann dachte ich an meine Kinder, die ohne mich aufwachsen müssten und denen ich so ein schweres Paket nicht auf ihren Weg mitgeben wollte. Und ich dachte an meinen Mann, der so schon genügend um die Ohren hatte und nicht auch noch ein kaputtes weil gegen einen Baum gesetztes Auto gebrauchen konnte. An mich dachte ich auch; ich wollte nicht vergebens so gelitten haben. Ich wollte noch etwas (er-)leben. Ich wolte lieben und geliebt werden. Also ging ich zum Arzt und der veranlasste eine Einweisung in eine Klinik für psychosomatische Rehabilitation. Das hat mich gerettet.

Geholfen hat mir auch das Verständnis, das mir nur Freunde entgegenzubringen in der Lage waren, die selbst schon Depressionen erlebt hatten. Nur sie konnten verstehen, was in mir los war, wie es mir damit ging, warum ich mich seltsam verhielt. Nur sie konnten mir Halt geben, indem sie mir eben NICHT sagten, es würde schon alles wieder gut werden, irgendwann. Oder hilflose Ermutigungen wie „Kopf hoch“, auf die hin ich nur noch nickte und dachte „Ach ja, und wie, wenn mir doch beinahe die Kraft zum Atmen fehlt?“

Einer, der mich verstanden hat, ist Markus Bock. Ich lernte ihn einige Zeit zuvor auf Twitter kennen. Markus leidet selbst seit langer Zeit und immer wieder unter Depressionen, nennt sich „der Depressionist“ und schrieb vor kurzem sogar ein Buch zum Thema, das Anfang 2017 erscheinen wird. Er geht offensiv mit der Diagnose um, möchte Sprachrohr sein, Kraft geben, Angehörige und Betroffene aufklären. Nicht über die medizinischen Hintergründe; dafür gibt es genügend Angebote. Er arbeitet für das Verstehen und das Verständnis, das Miteinander Betroffener und Außenstehender. Ich finde, Markus hat die wundervolle Gabe, verworrene und belastende Gedanken in sehr treffende Worte zu fassen. Worte, die aus der dunklen Seele sprechen. Die das Gefühl vermitteln, mit diesem Leid nicht allein zu sein. Das nimmt uns nicht die Qual, aber es hilft, noch einen Moment durchzuhalten. Und noch einen. Und dann vielleicht noch einen. Bis es irgendwann wieder etwas leichter wird.

Ich hatte bereits das Vergnügen, Markus persönlich kennenlernen zu dürfen, mit ihm über dieses und andere Themen sprechen zu können und mich von ihm inspirieren zu lassen. Jetzt gibt es diese Möglichkeit für uns alle, und das muss ich Euch unbedingt erzählen. Denn in den nächsten Monaten wird er aus seinem Buch lesen, aus seinem Leben erzählen, uns an seinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Demnächst liest Markus in Leipzig, in Hannover und in Braunschweig. Buchen könnt und solltet Ihr auf seiner Website, und zwar am besten bald. Die Lesungen des charismatischen Mannes könnten möglicherweise schnell ausgebucht sein. Dort könnt Ihr auch Nähreres über Markus selbst erfahren, weitere Termine in Erfahrung bringen oder ihn einladen, in Eurer Location zu lesen.

Markus liest in Hannover
Markus liest in Hannover!
Markus kommt nach Braunschweig!
Markus liest in Braunschweig!
 

 

 

 

 

 

 

 

(Mit einem Klick auf eines der Bilder gelangt Ihr zur entsprechenden Veranstaltung auf Facebook.)

Ich persönlich freue mich sehr auf die Lesung in Braunschweig und darauf, Markus und hoffentlich viele von Euch dort zu treffen.

 

 

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