Freundschaft, Ehe und ein gemeinsames Ende.

Seit etwa 12 Jahren kenne ich meine Trauzeugin und ehemalige Vertraute, meine wichtige Freundin. Oder besser: ich glaubte, sie zu kennen.

Ich kannte sie als eine kritisch denkende, hinterfragende, manchmal sympathisch naive, feministische und modern denkende Frau. Oft war sie etwas widersprüchlich, was sie für mich nicht weniger liebenswert machte. Geschieden, alleinerziehend und mehr als Vollzeit berufstätig wusste sie, was dieses Leben bedeutet und wie hart es manchmal sein kann.

Widersprüchlich, weil sie, kurz nachdem sie sich feministisch geäußert hatte, die Männer der Runde zum Feuermachen zum Grill schickte und gleichzeitig verfügte, dass wir Frauen uns um die Salate, den Tisch, die Hunde kümmern sollten. Oder weil sie nach dem Absturz einer auf einem Kaktus notgelandeten Fledermaus von der Fensterbank im vierten Stock das Vaterunser betete und dabei Weihrauch verbrannte, um die Wohnung von bösen Geistern zu reinigen. In dieser Situation erfüllt von Mitgefühl für das arme Tier (der Kaktus war mit abgestürzt), danach herzhaft über sich selbst lachend. Wie sympathisch! Wie menschlich! Wie liebenswert!

Sie fehlt mir. Weil sie sich von mir nach der Trennung von meinem Mann distanziert hat.  Ich bin traurig um diese Freundschaft, halte sie für beendet , weil sie und mein Noch- Ehemann mich offensichtlich miteinander abgesprochen belogen haben. Und keine Kritik, keine Wahrheit kann mich so sehr treffen wie die verschwiegene oder verbogene. Nichts verletzt und demütigt mich mehr als eine Lüge aus heiterem Himmel, besonders wenn man den Personen vertraute.

Mein Mann hatte mir erzählt, dass meine Trauzeugin nach 14 Jahren Beziehung nun in absehbarer Zeit ihren Freund heiraten würde. Er wisse noch kein Datum und es würde auch nur eine kleine Zeremonie ohne Gäste werden. Was freute ich mich für sie! Was war ich traurig, dass sie es mir nicht selbst erzählt hatte! Ich schrieb ihr also eine Nachricht, in der ich ihr zu ihrem Vorhaben gratulierte und ihr alles Glück der Welt wünschte. Und ich sagte ihr offen, was ich fühlte. Sie schob es auf ihren vollen Terminkalender, auf das neugeborene zweite Enkelkind, auf wasauchimmer. Bei mir kam an: man muss Prioritäten setzen und ich zähle nicht dazu. Aber mein Mann.

Gestern hatte ich per Mail Kontakt zu einem mit ihr befreundeten Paar, das ich sehr mag. Sie schrieben mir unter anderem, sie hätten auf der Hochzeitsfeier meiner (jetzt früheren) Freundin meinen (bald früheren) Ehemann mit seiner jetzigen Partnerin und unseren süßen Kindern getroffen. Da schaltete ich dann weg. Alles nach diesem Satz musste ich später erneut lesen.

Mir scheint, dass mit jeder endenden Ehe auch Freundschaften kaputtgehen. Dass die Freunde glauben, sich für eine*n der ehemaligen Partner*innen entscheiden zu müssen. Wir haben sie nie dazu aufgefordert und es passiert doch. Mein Exmann hat das Glück, als kantenfreier, glatter, ruhiger, angenehmer Zeitgenosse zu gelten. Also entschieden sich unsere früher gemeinsamen Freunde für ihn. So wie meine Mutter, seine Herkunftsfamilie sowieso, und alle anderen auch.

Es ist nunmal so und es ist für mich mehr oder weniger okay. Was mich aber wirklich, wirklich zutiefst verletzt, das ist diese Unehrlichkeit. Ja, es ist hart, jemandem zu sagen, dass er oder sie nicht mehr zum Kreis der bevorzugten Menschen gehört. Aber es ist ehrlich. Und hart ist es auch, wenn der- oder diejenige eines Tages von der Lüge erfährt.
Ich mag unausgesprochene Dinge nicht. Ich möchte wissen, warum diese Lüge notwendig war. Warum die Freundschaft wirklich beendet ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es daran liegt, dass ich meine Kinder „verlassen“ habe. Es wäre mir (!!!) genau so negativ ausgelegt worden, hätte ich sie ihm „weggenommen“. Wie man´s macht, macht man´s falsch. Außerdem schien sie doch feministisch und modern zu sein. Ebensowenig kann ich mir vorstellen, dass mein Mann negativ über mich gesprochen haben könnte. Jedenfalls nicht direkt. Denn damit würde er sein glattes Image riskieren.

Vielleicht werde ich sie eines Tages fragen. Vielleicht wird es mir irgendwann auch egal sein. Ohnehin war ich immer mehr für sie da als sie für mich. Diese Freundschaft ist spätestens jetzt gescheitert. Da nützt es auch nichts mehr, miteinander darüber zu reden. Ich lege keinen Wert auf so eine seltsame Freundschaft. Das Vertrauen ist weg.

Und doch tut es weh.

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