Stadt, Land und Fluss.

Lieblingsplatz am Elbufer
Lieblingsplatz an der Elbe

 

Ein Dorfkind war ich, das war mir schon immer klar. Der größte Ort derer, die ich während meiner Kindheit und Jugend vorübergehend bewohnen durfte, war Mittenwald in Oberbayern und das ist bekanntlich weder Stadt noch Dorf, sondern ein Markt mit derzeit etwa 7413 Einwohnern (laut Wikipedia). Mein einjähriger Aufenthalt dort ist inzwischen allerdings schon etwa 25 Jahre her.

Jetzt bin ich die Dorffrau der Stadtfrau, was anfangs einen wahren Kulturschock mit sich brachte- und der Liebsten ein paar ausgiebig genossene Lachanfälle. Meine eher dorftypischen Gewohnheiten wie beispielsweise das freundliche Grüßen jedes Menschen, dem ich begegnete, sorgten für ungläubig erhobene Augenbrauen vielerseits und unterhaltsame Momente unsererseits. Aber – hey: kommen Sie mal plötzlich in einen Ort, der etwa 312 mal so viele EinwohnerInnen hat wie der, in dem Sie gerade wohnen. Nämlich!

Inzwischen habe ich ungezählte Tage, Wochen und Wochenenden in Dresden genießen dürfen und muss zugeben, dass mir die Stadt sehr gefällt. Ich hätte mir sogar vorstellen können, zur Liebsten zu ziehen und hier zu leben, wäre die Entfernung zu meinen Kindern dann nicht so groß.

Ja, Dresden verliert durch Pegida und menschenfeindliche Angriffe auf Geflüchtete gerade mächtig an Ansehen. Allerdings sollte man auch die BewohnerInnen dieser Stadt nicht über einen Kamm scheren. Und wollen wir diese wunderschöne Stadt wirklich völlig kampflos den Menschenhassern überlassen?

Ich genieße es sehr, die Elbe in unmittelbarer Nähe zu haben. Mit ihren weitläufigen Auen ist sie ein wunderbarer Ausgleich zum Trubel in der Stadt. Täglich verbringe ich dort viel Zeit mit Tommi, der die Chance hat, sich ohne Leine auszutoben, Mäuschen zu suchen, mit anderen Hunden zu spielen und in der Elbe zu planschen. Mitten in der Großstadt! Die Wohnhäuser aus der Gründerzeit sind sowohl innerlich als auch äußerlich viele aufmerksame Blicke wert; jedes unterscheidet sich von den anderen. An beinahe jeder Straßenecke findet man Kunst, Geschichte, Kultur. Das zwischenmenschliche Klima in der Dresdner Neustadt ist eines, das mir derzeit gut gefällt. Dresden eröffnet derjenigen, die es sich finanziell und zeitlich leisten kann, jede Menge Möglichkeiten. Kaufen, Sehen, Ausprobieren- es dürfte für jeden Menschen etwas Interessantes dabei sein. Von den bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Frauenkirche, der Semperoper und dem Rest der Altstadt will ich hier gar nicht erst anfangen, sonst kommt bald noch die Frage auf, ob ich denn jetzt eine Reisebloggerin wäre.

Wir haben einen gemeinsamen Plan für die Zukunft, die Stadtfrau und ich. Zu diesem Zweck treffen wir uns etwa auf der Hälfte der Hälfte der Hälfte zwischen unseren bisherigen Lebensumständen. Die Stadtfrau ist zu großen Abstrichen bereit und ich weiß das außerordentlich zu schätzen.

Doch auch ich werde diese Stadt vermissen, wenn wir sie in absehbarer Zeit gemeinsam verlassen werden. Auf jeden Fall werde ich sie stärker vermissen als das Dorf, in dem ich zur Zeit wohne. In dem ständig Menschen um mich herum sind und ich dennoch einsam bin, in dem es permanent laut ist, so eng, dass es mir den Atem zu rauben scheint und trotzdem fernab aller Möglichkeiten, die das Leben einer zu bieten hat.

 

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